Betriebswirt

Der „Betriebswirt“

Betriebswirt ist eine sehr unscharfe Bezeichnung für eine ganze Reihe von Qualifizierungen, die sich mit „höherer kaufmännischer Ausbildung“ überschreiben lassen. Betriebswirte übernehmen kaufmännische/betriebswirtschaftliche Aufgaben im Unternehmen. Zu den Hauptaufgaben gehören Finanzierung und Rechnungswesen, das Marketing, Personalwesen und Organisation, Produktion und auch Wirtschaftsrecht.

Der Weg zum Betriebswirt

In Deutschland gibt es vier grundsätzlich verschiedene Wege zu Abschlüssen, die als „Betriebswirt“ bezeichnet werden können. Sie entsprechen unterschiedlichen Qualifizierungsstufen im DQR. Zu unterscheiden sind:

  • Akademischer Abschluss (wie Diplom, Bachelor, Master)
  • Staatlicher Abschluss (wie staatlich geprüfter Betriebswirt)
  • öffentlich-rechtlich anerkannte Berufsabschlüsse vor der Industrie-und Handelskammer oder der Handwerkskammer (wie Geprüfter Betriebswirt)
  • Abschlüsse privater Weiterbildungsanbieter, die keine Berufsabschlüsse im eigentlichen Sinne sind, sondern lediglich Qualifizierungsnachweise (wie Betriebswirt (ILS))

Diese sehr unterschiedlichen Abschlüsse werden auch in unterschiedlicher Weise erworben. Die akademischen Grade durch ein Hochschulstudium, während die berufliche Aus- und Fortbildung nicht an Universitäten und Hochschulen stattfindet.

Auf diese Seiten erfährst Du mehr über die Weiterbildung zum Betriebswirt und die beliebtesten Abschlüsse

1. Hochschulstudium und Akademische Abschlüsse

Akademische Abschlüsse können an Universitäten, Fachhchschulen oder Berfusakademien erlangt werden. Sie schließen sich ein mehr oder weniger umfangreiches Studium der Betriebswirtschaften ab. Die traditionellen Abschlüsse waren lange:

  • Diplom-Betriebswirt (FH), nach einem Studium an einer Fachhochschule von sieben bis acht Semestern und einer Qualifizierungsstufe DQR 7
  • Diplom-Kaufmann, nach einem Universitätsstudium von acht bis zehn Semestern und einer Qualifizierungsstufe DQR 7

Im Zuge des Bologna-Prozesses werden diese Abschlüsse nur noch in wenigen Ausnahmefällen vergeben. Statt dessen sind die üblichen Abschlüsse derzeit

  • der Bachelor in Betriebswirtschaft  (DQR 6), der meist in einer starken Spezialisierung auf Funktionsbereiche wie Marketing, Produktion, Personal, Rechnungswesen, Controlling oder Steuern oder auf Branchen wie Bankwesen, Gesundheitswesen, öffentlicher Dienst oder Industrie studiert wird
  • der Master  in Betriebswirtschaft  (DQR 7), der ebenfalls meist mit einem klaren Schwerpunkt, insgesamt aber breiter angelegt ist. Die Masterstudiengänge setzen zumeist eine Qualifizierung nach DQR 6 als Zulassungsvoraussetzung voraus.
  • Der MBA (Master of Business Administration), der Studierenden mit anderen Studiengängen (z.B. Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, Juristen) eine betriebswirtschaftliche Qualifikation auf Hochschulniveau vermittelt.

2. Berufliche Ausbildung

Die berufliche Ausbildung bereitet auf eine berufliche Tätigkeit vor. Sie ist Ausbildung auf ein Berufsziel hin. Dies parallel zur Ausbildung geschehen an einer Berufsakademie geschehen: Das Studium an einer Berufsakademie hat starken Praxisbezug und läuft parallel betrieblichen Ausbildung. Es ersetzt also die sonst übliche Berufsschule. Im Unterschied zu einem Studium an einer Hochschule ist das Fächerspektrum an einer Berufsakademie klar auf ein bestimmtes Berufsfeld ausgerichtet.

  • Die Berufsakademien haben traditionell den Abschluss Diplom-Betriebswirt (BA) vergeben. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Diplom-Betriebswirt (FH und auch nicht als DQR 7 sondern als DQR 6 gerankt.
  • Mittlerweile sind alle Berufsakademien akkreditiert, das heißt sie können akademische Abschlüsse vergeben und haben die Ausbildungsgänge auf Bachelorabschlüssen DQR 6 umgestellt.

3. Berufliche Fortbildung

Die Berufliche Fortbildung baut anders als das Hochschulstudium auf einer Berufsausbildung und entsprechender Berufserfahrung auf und sind stärker praxisbezogen konzipiert. Sie qualifizieren zum Teil ihrerseits für ein späteres Hochschulstudium und können so eine Brücke zum Hochschulstudium auch ohne Abitur bilden.

Sie schließen mit sehr unterschiedlichen Abschlüssen ab, die jedoch stets staatlicher Abschlüsse sind (wie staatlich geprüfter Betriebswirt) oder öffentlich-rechtlich anerkannte Berufsabschlüsse vor der Industrie-und Handelskammer oder der Handwerkskammer (wie Geprüfter Betriebswirt), nicht aber akademische (wie Master).

Außerdem unterscheiden sie sich stark in zeitlichem Umfanges, Art des Lehrganges (Vollzeit oder berufsbegleitend), der Zugangsvoraussetzungen und der Lernform (Fernstudium oder Präsenz).
Als „Betriebswirte“ werden hier vor allem folgende Abschlüsse bezeichnet:

  • Der Staatlich geprüfter Betriebswirt (DQR 6) ist wird nach einem zweijährigen Fachschulbesuch in Vollzeit (oder optional drei bis vier Jahre Teilzeit) an Fachakademien oder Fachschulen für Wirtschaft erworben. Die Ausbildungb umfasst rund 2400 Stunden. Zugangsvoraussetzung sind eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung und danach mindestens ein Jahr Berufspraxis
  • Der Geprüfte Betriebswirt, ehemals Betriebswirt IHK (DQR 7), hingegen setzt nicht nur eine Ausbildung voraus, sondern in der Regel eine erfolgreich Prüfung zum Fachkaufmann oder zum Fachwirt. Die Prüfung wird vor einem Ausschuss der Industrie- und Handelskammer abgelegt und ihr gehen laut DIHK-Rahmenplan 745 Unterrichtsstunden voraus.
  • Der Geprüfte Technische Betriebswirt (DQR 7) bereitet auf Aufgaben an der Schnittstelle zwischen Technik, Produktion und Betriebswirtschaft vor, setzt etwa 680 Unterrichtsstunden voraus und baut meist auf einer erfolgreich abgelegte IHK-Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister, zum Techniker, zum Geprüften Technischen Fachwirt, oder einem abgeschlossenen Ingenieursstudium auf.
  • Der Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung (DQR7) ist quasi das Pendant zum Geprüften Betriebswirt im Handwerk. Während der Geprüfte Betriebswirt (IHK) auf kaufmännischer Vorbildung aufbaut, setzt der geprüfte Betriebswirt nach der Handwerksordnung (Geprüfter Betriebswirt (HwO), ehemals Betriebswirt HWK) regelmäßig einen Meisterbrief im Handwerk voraus, wird vor einem Ausschuss der Handwerkskammer abgelegt (und nicht der IHK) und setzt etwa 700 Stunden Lehrgangsdauer laut Rahmenplan voraus.

Aufgaben des Betriebswirts

Die Aufgaben des Betriebswirts sind sehr vielfältig und auch deutlich breiter gespannt, als die eines Fachwirts.

  • Finanzierung
    • Sicherstellung der notwendigen Liquidität
    • Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital
    • Auswahl von Instrumenten zur Innenfinanzierung oder Außenfinanzierung
    • Aufbau und Durchführung des Controllings mit Hilfe geeigneter Kennzahlen
  • Rechnungswesen
    • Erstellen der Kosten- und Leistungsrechnung
    • Leitung der Lohn- und Finanzbuchhaltung
    • Erstellen der BWA, Investitionsrechnung
    • Etatbestimmung und -verwaltung für Marketingmaßnahmen
  • Marketing
    • Analysieren von Marktsituationen und Marktforschung
    • Festlegung der Elemente des Marketing-Mix
    • Steuerung des Beschaffungsmarketings
    • Vertriebsleitung und Mitarbeiterführung im Verkauf
    • Reklamationssteuerung und Qualitätsmanagement
  • Personalwesen
    • die Personalbedarfsplanung und Personaleinsatzplanung
    • Personalbeschaffung
    • Optimierung der Personalkosten
    • Personalverwaltung inkl. Lohnbuchhaltung
  • Organisation
    • Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation
    • Implementieren eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP)
    • Leitung des Qualitätsmanagements führen
    • Steuerung des Waren- und Dienstleistungsflusses (Logistik)
  • Produktion
    • Kapazitätsplanung in Abstimmung mit den Technikern
    • Wirtschaftlichkeit der Materialwirtschaft berechnen
    • Zertifizierungsverfahren für das Qualitätsmanagement koordinieren
    • Methoden der Rationalisierung kennen und anwenden
    • Wirtschaftsrecht
    • Einhaltung von Handels-, Wettbewerbs-, Arbeits- und Sozialversicherungsbestimmungen
    • Formulieren von betriebsspezifischen Geschäftsbedingungen

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